Das Problem

 

Viele von uns fühlten sich unzulänglich, minderwertig, einsam und ängstlich. Unser Inneres entsprach nie dem, was wir bei anderen von außen sahen. Schon sehr früh haben wir uns abgetrennt gefühlt – von unseren Eltern, gleichaltrigen Freunden und von uns selbst. Mit Fantasien und Selbstbefriedigung haben wir einfach abgeschaltet. Wir haben die Bilder und Vorstellungen in uns eingesogen und sind den Objekten unserer Fantasie nachgehangen. Lüstern begehrten wir, und lüstern wollten wir begehrt werden.

Wir wurden wahre Abhängige. Es kam zu Sex mit uns selbst, häufig wechselnden Sexpartnern, Ehebruch, Abhängigkeitsbeziehungen und noch mehr Fantasien. Wir nahmen es durch die Augen auf; wir kauften, verkauften, tauschten und verschenkten Sex. Wir waren abhängig von Arglist, Kitzel und Verbotenem. Wir glaubten, nur dann davon frei zu sein, wenn wir es taten. "Bitte nimm Verbindung mit mir auf und mach mich ganz!", schrien wir mit ausgestreckten Armen. Durch unsere Lüsternheit nach dem totalen Rausch übergaben wir unsere Kraft an andere.

Dadurch entstanden Schuldgefühle, Selbsthass, Reue, Leere und Schmerz. Wir wurden noch mehr nach innen getrieben, weg von der Realität, weg von der Liebe, in uns verloren und verirrt.

Unser Tun macht wahre Nähe unmöglich. Wir konnten uns nie wirklich mit einem anderen Menschen vereint fühlen, weil wir süchtig nach dem Unwirklichen waren. Wir suchten nichts als sexuelle Anziehung – die magische Verbindung –, weil wir dadurch wahre Nähe und wirkliches Einswerden umgehen konnten. Die Fantasie verdarb die Realität; unsere süchtige sexuelle Begierde tötete die Liebe.

Zuerst wurden wir süchtig, dann verkrüppelte unsere Liebesfähigkeit: Wir nahmen von anderen, um uns aufzufüllen mit dem, was in uns fehlte. Wir machten uns immer wieder vor, dass der nächste Sexrausch uns retten würde, tatsächlich aber verloren wir unser Leben.

© Anonyme Sexaholiker Deutschland 2018